Blog Nebenberuflich selbstständlich

5 Gründe, sich nebenberuflich selbstständig zu machen

Seit etwas mehr als einem Jahr bin ich nebenberuflich selbstständige Texterin. Zeitgleich habe ich noch einen Teilzeitjob. Ursprünglich hatte ich vor, ins „kalte Wasser“ zu springen und mein Angestelltenverhältnis von heute auf morgen aufzugeben. Warum ich das nicht getan habe und welche Vorteile (und Nachteile) das mit sich gebracht hat, erzähle ich euch in meinem ersten Blog-Artikel.


Seit Februar 2017 arbeite ich im Marketing-Bereich eines technischen Unternehmens – zuerst Vollzeit, dann Teilzeit. Die Entscheidung, meine Stunden von 40 auf 20 die Woche zu reduzieren, war eine, die mir quasi abgenommen wurde. Mein Chef gab mir diese Möglichkeit, damit ich nebenbei meinen Wunsch verwirklichen und mich nebenberuflich selbstständig machen kann.
Im Nachhinein betrachtet war das ein großes Glück: Nicht jede/r bekommt diese Gelegenheit oder kann bzw. will sie nutzen. Es mag nicht für jede/n der richtige Weg sein. Aber er hat Vorteile, vor allem für kreative Berufe, die von Zuhause aus arbeiten können. Hier sind meine 5 besten Gründe, um nicht sofort „in die Vollen“ zu starten, sondern deine Stelle nebenbei (zumindest für eine Weile noch) zu behalten:

Ein Job gibt dir Sicherheit.

Das heißt: Auch bei einer etwas mauen Auftragslage läufst du nicht Gefahr, den nächsten Monat nur noch mit Nudeln und Tomatensauce verbringen zu müssen. Gerade wenn man nicht zu den wahnsinnig risikofreudigen Menschen gehört, kann ein fixer Job mit nebenberuflicher Selbstständigkeit eine gute Lösung sein, um erstmal einige Facetten der Selbstständigkeit kennenzulernen.

Ein Job bringt dir Geld.

Auch wenn wir gerne davon reden, dass Geld uns nicht so wichtig ist: Miete, Auto, Öffis, Essen und hin und wieder etwas Schönes für uns wollen dennoch bezahlt werden. Dein monatliches Gehalt eröffnet dir Möglichkeiten. Du musst nicht gleich an dein Erspartes gehen, wenn die Aufträge mal ausbleiben.

Blog Nebenberuflich selbstständig Kuchen

Du kannst dich austauschen.

So manche/r im Homeoffice hat es schon erlebt: Den Lagerkoller, weil man vom Bildschirm nicht weg- und aus der Wohnung nicht rauskommt. Manchmal ist es dann doch ganz nett, zur Kaffeemaschine zu spazieren, Kolleginnen und Kollegen zu treffen und über Gott und die Welt zu plaudern. Das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor! Unter Leute ist man im Homeoffice definitiv seltener, auch wenn man zum Beispiel mit einem Co-Working-Space oder regelmäßigen Ortswechseln (Café, Park, Freibad) etwas Abhilfe schaffen kann.

Du hast einen geregelten Tagesablauf.

Ja, ich bin eine Langschläferin und ja, ich vertrödle auch gerne mal Zeit mit unwichtigen Sachen (Blog schreiben ist natürlich kein Teil davon, haha!). Selbstständig zu sein erfordert aber ein gewisses Maß an Disziplin. Denn nur du selbst kannst dich antreiben (und vielleicht die nächste Deadline). Ein Angestelltenverhältnis nebenbei „zwingt“ dich dazu, morgens aufzustehen und deinen Tag zu strukturieren. Mir war klar: Von 6 Uhr bis 13 Uhr gilt meine Aufmerksamkeit Job 1, ab 14 Uhr dann Job 2. Manche Dinge fallen in die eine Tageshälfte, die anderen in die andere. Hin und wieder konnte ich dank Gleitzeit diese beiden Bereiche auch strecken oder verkürzen. Auf jeden Fall gab es mir etwas Wichtiges: einen Plan.

Nebenberuflich kannst du deine Selbstständigkeit Schritt für Schritt aufbauen.

Ohne Kunden ins Haifischbecken zu springen ist möglich und mutig, aber nicht für jede/n etwas. Gerade wenn du eine Idee hast, die vielleicht erst „ausgetestet“ werden muss, oder wenn du bisher wenig Erfahrung und Kontakte hast, lohnt es sich erstmal nebenberuflich „vorzufühlen“ und zu sehen, ob dein Angebot ankommt und angenommen wird. Du kannst im Kleinen starten und dann Schritt für Schritt weitergehen, ohne das sichere Ufer mehr als notwendig verlassen zu müssen.

Fassen wir also zusammen: Sicherheit ist bei der nebenberuflichen Selbstständigkeit also zur Genüge vorhanden. Dafür fehlt es aber oft an etwas anderem. Und das ist mein guter Grund, der dagegenspricht, den festen Job (länger als notwendig) zu behalten:

Zeit.

Blog Nebenberuflich selbstständig Zeit

Auf zwei Hochzeiten zu tanzen erfordert Konsequenz, aber auch sehr viel Zeitmanagement und Stressresistenz. Kundentermine kollidieren mit internen Meetings, länger dauernde Projekte knapsen an der Aufmerksamkeitsspanne, Anfragen müssen verschoben oder gar ganz abgesagt werden. Von Fahrtzeiten, Krankheitstagen oder Firmenveranstaltungen reden wir gar nicht. Je intensiver deine nebenberufliche Selbstständigkeit wird, desto anstrengender wird es auf Dauer, alles unter einen Hut zu bringen. Und: Freizeit sollte ja auch noch sein.

Irgendwann wirst du vermutlich, so wie ich, an einen Punkt kommen, wo es gar nicht anders geht als sich zu entscheiden. Baue ich weiterhin auf Sicherheit (und Stress), oder verlasse ich den festen Boden und begebe mich auf unbekanntes Terrain? Es gibt Leute, die dieses Spiel jahrelang spielen können und wollen, ganz klar. Es ist aber nie verkehrt, sich immer wieder selbst zu reflektieren und zu fragen, ob nicht in einem Bereich des Berufslebens vielleicht „mehr“ geht. Auch komplett ins Angestelltenverhältnis zurückzukehren ist keine Fehlentscheidung, wenn es sich richtig anfühlt.

Mein Start in die volle Selbstständigkeit steht kurz bevor. Das sichere Ufer zu verlassen und drauflos zu schwimmen war keine Entscheidung, die ich mir leicht gemacht habe. Unsicherheit ist natürlich da. Aber wie heißt es so schön? „Das Wasser wird erst wärmer, wenn man drin schwimmt“. Also springen wir rein!

10 Kommentare
  1. Larissa
    Larissa sagte:

    Sehr gut geschrieben und hat mir wirklich geholfen nochmal über alles nachzudenken. Somit werde ich mich auf deinen ratschlag besinnen und nicht gleuch in die vollen gehen, sondern noch einen 29 std job suchen. Danke!

    Antworten
    • Texterin der Herzen
      Texterin der Herzen sagte:

      Hallo Larissa! Es freut mich, wenn ich dir helfen konnte. Ich würde gerade am Anfang eher immer dazu tendieren, ein bisschen „sicher zu gehen“. Das ist nicht für jeden was, ganz klar! Und es sollte auch nicht in Stress ausarten. Aber wenn du beides gut unter einen Hut bekommst, dann überwiegen sicher die Vorteile. Ich wünsche dir viel Erfolg! <3

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  2. Elise
    Elise sagte:

    Hallo liebe Verena, herzlichen Glückwunsch zum ersten Artikel 🙂 Schön geschrieben und hilfreich. Ich tendiere auch dazu, dass es sinnvoll ist, sich irgendwann zwischen Selbstständigkeit und Angestelltendasein zu entscheiden. Denn neben dem zeitlichen Spagat, den man sich so spart, kann man sich so auch voll und ganz auf die eine Herzenssache einlassen. Liebe Grüße, Elise

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    • Texterin der Herzen
      Texterin der Herzen sagte:

      Hallo Elise! Da stimm ich dir voll und ganz zu. Ich habe gemerkt, dass es „so weit“ ist, als ich mehr und mehr so dahingeschwommen bin. Es war einfach nichts Halbes und nichts Ganzes, weder der eine Job noch der andere. Man ist da nicht 100 Prozent da und gerade, wenn die Zeiten wieder mal fordernder werden, muss man einfach mit ganzem Kopf und Herz bei der Sache sein. Ich bewundere alle, die das wirklich über Jahre durchziehen können. LG <3

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  3. Regina
    Regina sagte:

    Toller erster Blogbeitrag, herzlichen Glückwunsch und viel Erfolg weiterhin mit deinem Blog. (Wann schaffe ich das endlich? ?)
    Ich bin auch nebenberuflich selbstständig, neben meinem Teilzeitjob mit 15h und dem „Job“ als zweifache Mama. Und ich finde mich vor allem in Punkt 2 (Geld) und Punkt 3 (Austausch) wieder. Vor allem den Austausch mit Kollegen finde ich als geselliger Typ sehr wichtig und mir gefällt auch die Teamarbeit, das Zusammenspiel zwischen mehreren Abteilungen, damit der Auftrag erfolgreich abgewickelt wird. Also momentan könnte ich mir eine Full-time-Selbstständigkeit noch nicht vorstellen.

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    • Texterin der Herzen
      Texterin der Herzen sagte:

      Hallo Regina! Wow, selbstständig, Job UND Kids, das ist wirklich ein Wahnsinn! Ich bewundere dich dafür, dass du das „schupfst“ 🙂 Wenn eine Familie zu betreuen ist, dann ist diese Entscheidung sicher nochmal schwieriger. Wobei die volle Selbstständigkeit in punkto Kinder natürlich auch Vorteile hat. Aber ich kann dich voll verstehen – vor allem wenn’s um die Kollegen geht. Keine Betriebsausflüge oder Weihnachtsfeiern mehr, das ist schon herb. Ich kompensiere es ein wenig, indem ich öfter zu Besprechungen in die Büros meiner KollegInnen fahre. Einfach rauskommen und Hirn durchpusten, das beugt dem Lagerkoller vor! 🙂

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  4. Christina Manolaki
    Christina Manolaki sagte:

    Liebe Verena,

    schöner Artikel! Er wird bestimmt vielen helfen, die gerade vor dieser Entscheidung stehen.
    Falls man sich von Anfang an für 100% Selbständigkeit entscheidet, ist es beruhigend, für die ersten paar Monate ein Sparpolster zu haben.

    Viel Erfolg mit deinem Blog,

    Liebe Grüße

    Christina

    Antworten
    • Texterin der Herzen
      Texterin der Herzen sagte:

      Hallo Christina! Das ist mir auch superwichtig. Anfang des Jahres habe ich mir eine Rücklage geschaffen, damit ich immer etwas auf der hohen Kante habe. Ganz ohne alles würde ich es wohl nicht machen. Aber ich bin auch ein alter Sparfuchs! 😀
      Danke für deine lieben Worte! <3

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