Selbstständig am Land Texterin der Herzen

Selbstständig am Land: Meine wichtigsten Learnings

Als selbstständige Texterin habe ich das Glück, ortsunabhängig arbeiten zu können. Und manchmal ist das auch notwendig. Denn so schön das steirische Murtal als Lebens- und Arbeitsmittelpunkt ist: Auf dem Land eine selbstständige Tätigkeit aufzubauen ist gar nicht so einfach. Warum Netzwerken hier so wichtig ist wie nie, erfahrt ihr in meinem Blog-Artikel.

Ich bin eigentlich ein ziemliches Landei. Ich bin in einem 700-Einwohner-Dorf groß geworden. Der Wald begann direkt vor meiner Haustür. Wir hatten Katzen und Hühner und eine Kuhweide nebenan. Wenn man einen Bus verpasst hat, musste man 2 Stunden auf den nächsten warten. Lange Zeit habe ich geträumt, aus diesem Leben auszubrechen, nach Graz zu ziehen, wo ich studiert habe, und nicht mehr zurückzuschauen.

Aber irgendwann scheinen sich die Prioritäten verschoben zu haben. Ich bin immer noch gern in der Stadt zu Besuch, aber dort zu leben kommt für mich nicht mehr in Frage. Damit Hand in Hand geht aber natürlich die Frage nach der Zukunft der eigenen Karriere, denn die Jobchancen sind in Städten wie Wien, Linz oder Graz naturgemäß besser. Theoretisch ist die Selbstständigkeit auf dem Land also eine gute Möglichkeit, um einer Tätigkeit nachzugehen, für die es wenig Möglichkeiten der Festanstellung gibt – in meinem Fall das Texten. Allerdings: Die Uhren auf dem Land ticken ein wenig anders.

Selbstständig am Land Texterin der Herzen

Die meisten meiner Kunden stammen aus der Region, sind kleine und mittelständische Firmen, klassische Handwerksbetriebe genauso wie touristische Hotspots oder Einzelunternehmer wie ich. In der Tat sind sie so stark hier vertreten, dass ich mich auch auf sie spezialisiert habe. Was natürlich zugleich gut und schlecht ist. Es gibt viele von ihnen – aber sie haben andere Bedürfnisse und Ansprüche als „Großkunden“. Sie brauchen nicht so häufig laufende Unterstützung wie Unternehmen mit großen Marketingabteilungen. Der Kontakt ist enger und persönlicher, aber man muss sich auch erst einmal kennenlernen und Vertrauen aufbauen. Denn nicht jedes kleine und mittelständische Unternehmen hatte schon mit Freelancern zu tun. Und, nicht zuletzt, macht es auch preislich manchmal einen Unterschied.

Meine wichtigsten Learnings aus meiner Situation? Die kann ich nach mehr als 1 ½ Jahren der Selbstständigkeit in drei Punkten gut zusammenfassen. Denn obwohl ich es liebe, auf dem Land, in der Nähe der Natur, weg vom Stadttrubel zu sein, ist es im Kunden- und Akquisebereich hier doch ein bisschen anders.

 

Keep it simple.

Stark spezialisierte Dienstleistungen finden im regionalen Unternehmertum nicht immer Anklang. Das hat meistens ganz einfache Gründe: Eine Tischlerei in einer Kleinstadt hat andere Vorstellungen von Werbung als ein großes Unternehmen in Wien. Manche Idee schießt auch ganz einfach übers Ziel hinaus. Darum versuche ich, im Gespräch mit dem Kunden immer auf dem Boden zu bleiben, abzuwägen, was möglich ist, und dort einen Schritt weiterzugehen, wo es Sinn macht. Instagram, Facebook und Co. passen nicht zu jeder Firma. Genauso wenig sollte ein B2B-Unternehmen Flyer in Postkästen werfen und das Beste hoffen. Wie so oft im Leben, egal ob in der Stadt oder auf dem Land, lautet die Devise: Es gibt nichts Pauschales, das zu allem und jedem passt.

„Keep it simple“ heißt für mich übrigens auch, dass ich dem Kunden mein Angebot klar kommuniziere. Denn die Nachfrage, was ich eigentlich genau mache, hatte ich bisher nicht nur einmal. Ich bin Texterin – simple as that! ? Alles andere ergibt sich im Gespräch.

Selbstständig am Land Texterin der Herzen

 

Keep an open mind.

Punkt eins heißt aber nicht, dass meine Kunden auf dem Land immer nur dasselbe brauchen und man nichts Neues lernen kann. Ganz im Gegenteil! Ich durfte schon einige Projekte von kleinen Unternehmen betreuen, die wirklich einzigartig geworden sind. Die Voraussetzung dafür ist, dass beide Seiten offen für Ideen bleiben. Dass ich schon mit großen und auch internationalen Kunden gearbeitet habe, heißt nicht, dass ich den regionalen Murtaler Betrieb belehren kann und sollte. Auf der anderen Seite ist eine „Das haben wir immer schon so gemacht“-Attitüde auf Kundenseite nicht hilfreich. Auch kleine Betriebe mit überschaubarem Angebot können aufmerksamkeitsstarke Werbung produzieren. Man muss nur den richtigen Schalter umlegen!

 

Keep connected.

Ich glaube, nirgendwo ist das Netzwerken so wichtig wie auf dem Land. Man sollte sich bewusst sein, dass die Distanzen oft ganz andere sind. Nicht immer ist ein/e Grafiker/in um die Ecke, nicht immer erreicht man gleich eine/n Webdesigner/in. Manchmal ist man mit seiner Dienstleistung auch der/die Einzige auf weiter Flur. Das kann ein Vorteil sein! Im Murtal gibt es einige Werbeagenturen und Einzelunternehmer, aber keine wirklich spezialisierte Texterin. Das hat mich mit einem Schlag zur Ansprechpartnerin für viele gleichzeitig gemacht. Ein Kollege meinte: Wenn er Aufträge regional vergeben kann, dann tut er das auch. Denn dort, wo Zusammenhalt wichtiger ist denn je, ist er am Ende auch stärker. Man fördert sich gegenseitig gern, wenn man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann.

Darum sind inzwischen zwei Projekte bei mir in der Pipeline, die genau auf diesen Zusammenhalt aufbauen. Worum es geht und wie das Ganze aussehen wird, verrate ich noch nicht. Aber so viel schon einmal: Im „Rudel“ arbeitet es sich leichter. ?

 

Wo ist euer Lebens- und Arbeitsschwerpunkt? Stadt oder Land oder irgendwas dazwischen? Wie geht ihr mit den Herausforderungen um, die euer Wohnort so mit euch bringt?

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